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Arbeitsforscher Hans Rusinek spricht im Cicero Podcast Gesellschaft mit Julia Marguier über altes und neues Arbeiten, über Work-Life-Balance, über Konzepte wie die Lifestyle-Teilzeit, wie sich unserer Einstellung gegenüber der Arbeit ändert und darüber, warum der erste Job den Menschen mehr prägt als das erste Kind. Hans Rusinek bezieht sich im Gespräch auf sein Buch Work-Survive-Balance. Warum die Zukunft der Arbeit die Zukunft unserer Erde ist, Herder Verlag 2023: https://www.herder.de/geschichte-poli... Inhalt Podcast: 11:16 "Wir wissen in vielen Unternehmen, dass ich nicht befördert werde oder belohnt werde, wenn ich möglichst gute Arbeit mache, sondern wenn ich möglichst sichtbare Arbeit mache. Das führt dann dazu, dass ich immer mehr Meetings mache, dass ich in diversen Chatprogrammen möglichst schnell auf die Urlaubsfotos des Chefs mit Däumchen reagiere. Und das führt in manchen Studien dazu, dass bis zu zehn Stunden die Woche mit dieser Art von Bullshit-Arbeit verbracht wird. Weil gerade durch Homeoffice und solche Themen Sichtbarkeit die große Währung ist. Wenn ich das Gefühl habe, dass es gar nicht darum geht, Probleme zu lösen in der Arbeit, sondern bestimmte Spielchen zu spielen, dann ist das natürlich auch etwas, was Arbeit sehr, sehr unattraktiv macht. Also wir haben als Politik, aber auch als Organisation es durchaus in der Hand, Arbeit attraktiver zu machen. Und das hat volkswirtschaftliche Effekte, die wir uns wünschen sollten, aber es hat auch soziale Effekte, weil die Arbeit ein sehr wichtiger sozialer Ort ist, den wir uns sonst auch einfach ein bisschen verkümmern lassen." (Hans Rusinek) 14:28 "Leistung ist Probleme lösen, relevante Probleme lösen. Viele Organisationen schotten sich davon sehr stark ab, indem sie sich mit Schauspielerei beschäftigen, indem sie eher Lobbyarbeit machen, um alte Geschäftsmodelle am Leben zu erhalten und deswegen ist Leistung, finde ich, in diesen Zeiten vor allem eine Reflexionskompetenz." (Hans Rusinek) 43:42 "Der erste Job prägt uns mehr als das erste Kind. Vorgesetzte haben mehr Einfluss auf die psychische Gesundheit, als es ein Psychotherapeut jemals haben kann. Die räumen dahinter auf. Und was Lisa Herzog, eine großartige Forscherin, schreibt, in einer liberalen Gesellschaft ist unsere einzige direkte Machterfahrung, die wir haben, die Machterfahrung, die wir durch unsere Vorgesetzten erleben. Wenn Sie keine notorische Falschparkerin sind oder so, erleben Sie Macht vor allem als Macht Ihrer Chefs und Ihrer Chefinnen. Das heißt, auch für eine Demokratie ist das total wichtig. Die Arbeitswelt ist dieser Ort, wo wir eben ein Drittel unseres Lebens verbringen und ich möchte den mit Leben füllen und nicht mit diesem ganzen Absitzen, Warten auf Freitag, Arbeitszeitreduktion um jeden Preis, das finde ich sehr bedauerlich." (Hans Rusinek)