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Moderne Klassiker (7) Diesmal geht es um die Neuauflage eines Sprachkunstwerks, das 1976 erstmals erschien. Jugend hieß das Buch von Wolfgang Koeppen, gut zwei Jahrzehnte ließ er seinen Verlag und die Kritik darauf warten. Marcel Reich-Ranicki sprach von einem Fall Koeppen, und in der Tat gibt es in der neueren Literaturgeschichte kein vergleichbares Beispiel eines Autors, der nach einer äußerst produktiven Phase keinen abgeschlossenen Text mehr zustande bringt und dabei die Neugier des Literaturbetriebs ständig am Köcheln hält. Aber der Reihe nach. Anfang der fünfziger Jahre veröffentlichte Wolfgang Koeppen drei Romane, die ihn zum provokativsten und sprachmächtigsten Nachkriegsautor neben Arno Schmidt machten: Tauben im Gras, Das Treibhaus und Der Tod in Rom. Und dann kam lange nichts, außer von Zeit zu Zeit kleine Texte für Zeitschriften. Koeppen kündigte, wenn er darauf angesprochen wurde, verlässlich den großen Roman an, doch außer Entwürfe brachte er nichts zustande. Wohl aber arbeitete er an einem Text über seine Herkunft und Jugend in der Zeit vor und während des Ersten Weltkriegs und über die Jahre danach, doch auch da wollte sich nichts Geschlossenes herstellen lassen. 1976 schließlich stellte Koeppen, wohl auch auf Drängen des Suhrkamp-Verlags, aus dem biografischen Material ein Buch zusammen. Einen Reigen kurzer, stark verdichteter Texte über eine Jugend in Greifswald an der Oder. Jugend, so der Titel des Buchs, war nicht der lange angekündigte Roman, war aber auch keine Autobiografie. Jugend, kann man sagen, sind Szenen aus einem Leben am Ende der Wilhelminischen Epoche, in denen Lebensspuren mit Geschichte vermengt sind. Wolfgang Koeppen, "Jugend", Suhrkamp Verlag