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Das braune Netz Wie die Bundesrepublik von früheren Nazis zum Erfolg geführt wurde Willi Winkler, SZ, im Gespräch mit Prof. Werner Bührer Sie hatten ihre Karriere im Dienste des NS-Staates begonnen - und setzten sie bruchlos in der neuen Bundesrepublik fort. So bereitwillig sie der braunen Ideologie gedient hatten, so engagiert traten sie nun für die Demokratie ein. Kriegsgerichtsräte fällten wieder ihre Urteile, einst regimetreue Professoren lehrten und die Journalisten aus den früheren Propagandakompanien schrieben, als hätten sie sich nichts vorzuwerfen. Damit gewann der junge Staat zwar politische Handlungsfreiheit zurück, gründete seinen Erfolg aber auf einen moralischen Widerspruch, der nicht aufzulösen war: Die Demokratie wurde mitaufgebaut von ihren Feinden. Zum 70. Geburtstag der Bundesrepublik hatte Willi Winkler eine schonungslose Betrachtung ihrer Frühgeschichte vorgelegt. Mitreißend und faktengesättigt beschreibt er, wie der westdeutsche Staat trotz all seiner Zerrissenheiten zum Erfolgsmodell wurde - und er zeigt, welchen Anteil vermeintlich oder tatsächlich geläuterte Nazis daran hatten. Eine Parabel über Schuld und Scham, über Bewältigung und Versöhnung, und zugleich eine zwingende Lektüre für alle, die dieses Land von Grund auf verstehen wollen. Willi Winkler, geboren 1957, war Redakteur der "Zeit", Kulturchef beim "Spiegel" und schreibt heute für die "Süddeutsche Zeitung". Er ist Autor zahlreicher Bücher, zuletzt erschienen "Die Geschichte der RAF" (2007), "Der Schattenmann" (2011), "Deutschland, eine Winterreise" (2014) und "Luther. Ein deutscher Rebell" (2016). 1998 erhielt Willi Winkler den Ben-Witter-Preis, 2010 den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus, 2013 den Michael-Althen-Preis. Das Gespräch mit Willi Winkler führt Dr. Werner Bührer, em. Professor für Zeitgeschichte an der TU München. In Kooperation mit der Gemeindebibliothek Ismaning.