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Gedichte sprechen A-Z: • A-Z: Gedichte verstehen und sprechen (Gedi... 00:09: Vortrag 01:41: Kommentar 06:25: Teleprompter Grodek Am Abend tönen die herbstlichen Wälder Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen Und blauen Seen, darüber die Sonne Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht Sterbende Krieger, die wilde Klage Ihrer zerbrochenen Münder. Doch stille sammelt im Weidengrund Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle; Alle Straßen münden in schwarze Verwesung. Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain, Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter; Und leise tönen im Rohr die dunklen Flöten des Herbstes. O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz, Die ungebornen Enkel. Grodek ist der Ort, an dem Trakl als hilfloser Sanitäter im ersten Weltkrieg das unvorstellbare Leiden und Sterben der Verwundeten im Lazarett ansehen musste. Eine Erfahrung, die unmittelbar zum Selbstmordversuch führte und letztlich im auch im Selbstmord endete. Dieses - sein letztes - Gedicht ist der Versuch, diese Erfahrung lyrisch zu bewältigen. Tatsächlich besteht es annähernd zur Hälfte aus Formulierungen, die zu einem geradezu idyllischen Herbstgedicht gehören könnten: Am Abend tönen die herbstlichen Wälder[,] die goldnen Ebenen Und blauen Seen, darüber die Sonne[.] Doch stille sammelt im Weidengrund rotes Gewölk[.] mondne Kühle Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes. Diese Teile des Gedichtes entsprechen der Gleichgültigkeit der herbstlichen Stimmung gegenüber allem, was die Menschen einander antun. Am Abend tönen die herbstlichen Wälder Von tödlichen Waffen, Im ersten Vers wird man auf die Assoziation von Waldes-rauschen hin irregeleitet, bevor der zweite Vers mit „tödlichen Waffen“ grausam zuschlägt. die goldenen Ebenen Und blauen Seen, darüber die Sonne Düstrer hinrollt; Syntaktisch verwirrend: Offenbar tönen auch die Ebenen und Seen von den „tödlichen Waffen“, die im Satzbau nur vorgezogen wurden. Auch das Folgende würde sich mit einer kleinen Umstellung in gewöhnliche Syntax einfügen. Doch das Geschehen erfordert gewissermaßen auch zerbrochenen Satzbau. Nur darum heißt es nicht: „...die Nacht umfängt...“ sondern umfängt die Nacht Sterbende Krieger, die wilde Klage Ihrer zerbrochenen Münder. Die „zerbrochenen Münder“ sind sicher genauso viel Tatsachen-beschreibung, wie sie vielleicht auch eine Art Metonymie sein können, eine Bedeutungsverschiebung von den zerbrochenen Körpern auf die Münder. Doch stille sammelt im Weidengrund Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt, Das vergossne Blut sich, mondne Kühle; Immer wirrer wird die Syntax. Vielleicht lässt es sich durch Paraphrasieren auflösen in: „Doch stille sammelt sich unter der mondnen Kühle im Weidengrund das vergossene Blut als rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt.“ Die bis dahin mehr und mehr zerbrochene Syntax bringt aber den folgenden syntaktisch klaren Satz umso wuchtiger zur Geltung: Alle Straßen münden in schwarze Verwesung. Dieser Vers bildet das Zentrum des Gedichtes. Wer ihn einmal gehört hat, vergisst ihn nicht wieder. Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain, Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter; Wenn man das „Es“ weglässt, stellt sich auch hier ein verhält-nismäßig klarer Satzbau ein. Weichen wir hier mal nicht auf einen „Sprecher“ aus, sondern stellen wir fest: Es ist Trakl selbst, der an seine - möglicherweise sogar inzestuös - geliebte Schwester denkt und ihren Schatten auftreten lässt. Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes. Diese synästhetische Metapher, die sich offenbar auf Schilfrohr bezieht, ist ein letztes Ausholen vor den letzten wuchtigen Sentenzen. O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre Der „Stolz“ der Trauer besteht wohl auch in seinem Ausmaß, der seine Feier auf „ehernen Altären“ rechtfertigt. Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz, Das klingt tatsächlich so, als müsste man stolz auf diesen ge-waltigen Schmerz sein, als würde ganz ironisch das Privileg gefeiert, Zeuge des größten Leids zu sein, das Menschen je einander angetan haben. Und was ist dieser gewaltige Schmerz? Die ungebornen Enkel. Das nicht gelebte Leben, das auch das Versiegen ganzer Generationslinien bedeutet.