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Mit Cady Noland und Santiago Sierra bringen wir zwei Künstler zusammen, die soziale Gewalt nicht als Abkehr von gesellschaftlicher Normalität betrachten sondern als Ausdruck der von uns mitgetragenen normativen Herrschafts- und Wirtschaftsformen: Kapitalismus und Liberalismus. Das macht ihre Kunst für die Öffentlichkeit nicht immer leicht verdaulich. Noland provozierte bereits in den Achtziger Jahren damit, dass sie den Mythos US-amerikanischer Selbstbestimmung und Freiheitsliebe als imperialistischen Gestus denunzierte. Sierra wurde vorgeworfen, die demütigenden Herrschaftsinstrumente des Kapitalismus um den Preis zu kritisieren, dass er sie in seiner eigenen künstlerischen Praxis lediglich spiegele und die Opfer sozialer Gewalt nun auch noch zu Opfern seiner Kunst mache - und dabei erneut demütige. Beide Charakterisierungen greifen in unseren Augen aber zu kurz. Wir wollen zeigen, dass Sierra wie Noland einen tieferliegenden, neuralgischen Punkt sozialer Konditionierung treffen: eine moralistische Maskierung sozialer Repression. Noland hat in ihrem Werk die gewaltvolle Geschichte des weißen Amerikas rekapituliert: die historische Landnahme und West-Expansion (wir zeigen die Log Cabin von 1990), die Architekturen sozialer Exklusion (Metal Fence, Frame Device, 1990), die aggressive Medienindustrie unserer Tage (Enquirer Page with Eyes Cut Out, 1990). Lange hätten Freiheits und Glücksversprechen im Gründungsmythos der USA Gewalt offen sanktioniert, so Noland.(1) Heute werde Gewalt jedoch in der gesellschaftlichen Selbstwahrnehmung entweder verdrängt oder verklärt. Die Kultur des liberalen Kapitalismus umgebe sich mit einer moralischen Sphäre, die soziale Harmonie suggeriere, tatsächlich aber Repression und Ausbeutung nur listig verberge. Nolands Analyse gipfelte in dem denkwürdigen Vergleich der heutigen US-Kultur mit dem Verhalten des Psychopathen.(2) Empathielos wie dieser organisiere sie einen fundamentalen Betrug: Sie instrumentalisiere die Hoffnungen, Ängste und Sorgen anderer zur Befriedigung eigener Triebe, vertusche aber ihre ausbeuterischen Ziele. Heimlich Profit aus den Schwächen anderer Menschen zu schlagen, so Noland, sei zu einer kulturellen Norm geworden. Eine Norm, die Sierra sabotiert. Wo sein Werk Profit aus den Schwächen anderer zu schlagen scheint, zeigt es Techniken sozialer Repression, die Noland verschleiert sah, öffentlich und ohne jeden Rekurs auf moralische Prinzipien. 89 mexikanische Huicholen lässt er von hinten fotografieren, so als wolle er die Verdrängung aus ihrem Heimatterritorium noch einmal bestätigen (2009). Die (schlechten) Zähne der letzten Roma von Neapel werden dokumentiert wie Gebisse von Pferden, deren Restwert man bestimmt (2009). Ein von Schuldkomplexen beschämter Kriegsveteran steht in einer Ecke unserer Galerie, wie üblich für geringen Lohn (2011). Weder entschuldigt noch kritisiert Sierra die Gewalt, die Menschen Menschen antun. Er trägt sie ins Kunstfeld, stellt sie aus. Dabei erlaubt er den Opfern dieser Gewalt, aus dem Schatten moralistischer Verdrängung und Verklärung zu treten. Sein Werk fordert die Anerkennung der Gefühle und der (verlorenen) Kämpfe der Menschen, die unsere eigenen wirtschaftlichen und politischen Systeme in eben jene beschämende Lage bringt, die Sierra uns als solche präsentiert. Jedoch verweigert er seinem Publikum die Absolution durch eine kritische Kunst, die repressive Verhältnisse aufklärerisch denunzieren, aber nicht ändern kann. Er unterbricht damit auch den Selbstbetrug der Kunstszene, die gerne glaubt über einen Ort zu verfügen, der über diese Verhätnisse erhaben sei. Im Hof der Galerie zeigen wir eine Etappe von Sierras jüngstem Projekt Destroyed Word. An verschiedenen Orten der Welt werden einzelne Buchstaben von Arbeitern errichtet und wieder zerstört. Die Zerstörung des Berliner T findet am 1. Mai um 14 Uhr statt. Die Ausstellung wurde kuratiert von Alexander Koch und Nikolaus Oberhuber. Sie entstand in Zusammenarbeit mit Wilhelm Schürmann und zeigt zentrale Stücke aus Gaby und Wilhelm Schürmanns umfangreicher Sammlung von Werken Cady Nolands. (1) Vergl. Michèle Cone, Interview with Cady Noland, Journal of Contemporary Art. vol. 3 no. 2, 1990 (2) Vergl. Cady Noland, Towards a Meta Language of Evil, BALCON No. 4, 1989 / Katalog Documenta 9, 1992 Text: KOW BERLIN: http://www.kow-berlin.info/exhibition.... (23.6.2011)